Tolle Klangerlebnisse und Begeisterung bei der Orgelfahrt

Um einmal einen Eindruck zu gewinnen, wie die neue Orgel in unserer Kirche klingen wird (und wie gute Orgeln klingen können), machten sich am Samstag, den 8. Juni, mehr als 50 Interessierte auf, drei Kirchen in Holstein zu besuchen. Von der Größe entsprachen diese Kirchen der Auferstehungskirche, sind aber – im Unterscheid zu unserer – mit Orgeln (zwei- und dreimanualig) von renommierten Orgelbauern ausgestattet. Bad Oldesloe, Eutin, Lübeck: Drei ausgesuchte Orgeln neueren Datums in Schleswig-Holstein standen auf dem Programm.

Das große Interesse (der Bus war fast voll besetzt) freute die Organisatoren, allen voran Pastor Dr. Christoph Schroeder und Kantor Clemens Rasch.

Vorab erläuterte Herr Rasch in der Auferstehungskirche die Besonderheiten der Orgel und des Prospekts. Der asymetrische Prospekt der Großhansdorfer Orgel, der – ungewöhnlich – vom Architekten der Kirche selbst, und nicht vom Orgelbauer wie zumeist üblich – konzipiert wurde, ist nicht oft zu finden. Die meisten Orgeln haben einen symmetrischen Aufbau.

Clemens Rasch spielte auf den Orgeln, beginnend in der Auferstehungskirche, dieselben drei Stücke. Sanfter oder voller Klang, laut und leise, schnell und langsam, Solopartien mit Begleitung oder die gesamte Orgel wie ein Orchester – unterschiedliche Charakteristika der Orgelmusik war zu hören und zu vergleichen. So war für die Teilnehmer der Klangunterschied und das Hörerlebnis im direkten Vergleich erlebbar. Was macht den Klang der jeweiligen Orgel aus? Welchen Einfluss hat die Akustik der Kirche auf den Klang? Wie klingen „gute“ Orgeln? Dies waren die Fragen, die es zu beantworten und erleben galt.

 

Erste Station: Peter-Paul-Kirche in Bad Oldesloe

Die erste Station war die Peter-Paul-Kirche in Bad Oldesloe, die 2006 eine neue Mühleisen-Orgel bekommen hatte.

„Der Orgelbauer hat 3 Monate lang jede einzelne Pfeife und den Obertonklang sorgfältig auf den Raum und dessen Akustik abgestimmt“, berichtete der Oldesloer Kantor Henning Münther. Die Mühe scheint sich gelohnt zu haben, das Ergebnis war für die Teilnehmer sehr beeindruckend: Ein sehr warmer und weicher Klang, man hört die einzelnen Register nicht so heraus, sie verschmelzen sehr gut zu verschiedenen Klangfarben und -eindrücken. So lauteten Stimmen aus dem Teilnehmerkreis vor der Weiterfahrt.

 

Die handwerklich exzellente Arbeit konnten alle bei der Sicht auf und in die Orgel bestätigen. Der Kantor wies die Zuhörer noch darauf hin, dass eine Orgel so ausgelegt sein sollte, dass sie in unterschiedlichsten akustischen Umfeldern dennoch gut klingt: Eine nur teilweise besetzte Kirche klingt anders als wenn die Kirche voll ist – und auch dann macht es einen Unterschied, ob die Kirchenbesucher stehen oder sitzen. Die Orgel sollte also z.B. genügend Möglichkeiten haben, sowohl leise als auch laut genügend Variationsmöglichkeiten zu haben. Die Oldesloer Orgel hat u.a. ein „hintergestelltes“ Schwellwerk, d.h. ein Schwellwerk, das hinter der restlichen Orgel auf gleicher Höhe steht. Auch in Großhansdorf soll ein Schwellwerk hinter das bereits bestehende Orgelgehäuse gestellt werden.

Auf Wunsch einiger Teilnehmer aktivierte der Organist zum Abschluss noch das Zusatzregister „Zymbelstern“ – üblicherweise wird dieses rotierende Glockengeläut nur für das „O du fröhliche…“ an Weihnachten gebraucht.

Zweite Station: St. Michaeliskirche Eutin

Staubedingt kam die Gesellschaft etwas zu spät in das regelmäßige Orgelkonzert „Orgelmusik zur Marktzeit“ in Eutin. KMD Martin West spielte bereits auf der Metzler-Orgel von 1987 mit 35 Registern. Die bereits vorhandenen Zuhörer nahmen die leise „Invasion“ einer ganzen Busladung teilweise verwundert zur Kenntnis.


Nach dem Konzert erzählte Herr West die Geschichte der Orgel. „Vor rund 30 Jahren hatten wir eine ähnliche Situation wie Großhansdorf heute“. Nach schlechten Erfahrungen mit der bestehenden Orgel war der Neubau einer qualitativ hochwertigen Orgel als die zwar (kurzfristig) kostspieligere, aber dennoch sinnvollere Lösung beschlossen worden. „Wir hatten in den 26 Jahren, seit wir sie haben, noch keine einzige Reparatur“, konnte er berichten. Bei einem Dachstuhlbrand vor 6 Jahren hatten sie allerdings Glück, dass weder das Feuer noch das Löschwasser die Orgel in Mitleidenschaft gezogen hat. Die Entscheidung für einen renommierten Orgelbauer hatte sich ausgezahlt.

„Ich darf Sie zur Auswahl von Grenzing als Ihren Orgelbauer für Großhansdorf beglückwünschen!“ – so Martin West. Eine solche Bestätigung der Entscheidung durch einen weiteren Experten freute die Großhansdorfer Delegation natürlich.

Klanglich konnten die Teilnehmer eine Orgel mit einem gänzlich anderen Stil und Klang als in Oldesloe erleben: Der Klang erschien durchdringender, prägender, kräftiger. Töne waren insgesamt klarer hörbar, transparenter, einzeln strahlender, weniger weich und verschmelzend. Dies war jedoch beim Orgelbau – und der Intonation – so gewollt: In der Kirche herrscht ein sehr langer Nachhall. Und um keinen Klangbrei für die Zuhörer zu erzeugen, ist mehr Transparenz, Klarheit und ein kräftigerer Klang nötig, anstatt weiterer Klangverschmelzung.

„Diese Orgel ist vom Klang her eher für Bach gebaut,“ sie hat auch keine Schweller zum ständigen Auf- und Abschwellen der Lautstärke, der für manche Orgelmusik aus dem 19. und 20. Jahrhundert vorgesehen ist.

Dritte Station: Bodelschwingh-Kirche in Lübeck

Die Bodelschwingh-Kirche in Lübeck ist ein moderner Kirchenbau aus dem Anfang der 60er Jahre. Die vom renommierten Orgelbaumeister Rieger gebaute Orgel wurde 1983 eingeweiht. „Nicht ganz billig, aber in den letzten 30 Jahren hatten wir keine Probleme, wir haben die Orgel nur für die normalen Stimmungen angefasst.“ eröffnete Herr Schumacher, der Organist der Lübecker Kirche. „Wenn man kurzfristig spart, hat man langfristig Ärger“, so seine Erfahrung. Die Kirche und die vorige Orgel wurden 1965 eingeweiht, ähnlich wie auch Großhansdorf. Damals wurde eine Kemper-Orgel angeschafft, die dann bereits 1983 durch die Rieger-Orgel ersetzt werden musste.

Kantor Schumacher und Clemens Rasch spielten auf der Orgel und demonstrierten den Klang der Orgel. Die Kirche selbst hatte wenig Nachhall. Die Teilnehmer erlebten einen ausgewogenen Klang, bei einem eher strahlenden Prospekt. Ein Orgelbauklang, der „weder romantisch noch barock ist, eine eher typische Orgel der 80er Jahre“, so Clemens Rasch. Auch hier war dies jedoch ganz bewusst gebaut worden. „Der eher nüchterne Klang passt sehr gut zu der nüchternen Architektur der Kirche“.

Zum Abschluss wurden noch Kirchenlieder gesungen, die Teilnehmer konnten sich so ein Bild über die Eignung der Orgel zur Begleitung des Gemeindegesangs machen.

Im Bus wurden auf der Rückfahrt die Eindrücke weiter diskutiert.

„Es ist schon bemerkenswert, wenn sowohl in Lübeck als auch in Eutin die Kantoren berichten, dass es 25 bzw. 30 Jahre lang keine einzigen Probleme mit der Orgel gab – In Großhansdorf musste der Kirchengemeinderat schon nach 20 Jahren über eine Generalüberholung nachdenken!“ Dass alle drei besuchte Orgeln handwerklich hochwertig verarbeitet waren – ganz im Gegensatz zur jetzigen Orgel in Großhansdorf – dies war für alle Teilnehmer sehr deutlich sichtbar, insbesondere diejenigen, die einen Blick ins Innere der jeweiligen Orgeln geworfen hatten.

Clemens Rasch fasste nochmals die klanglichen Eindrücke zusammen, die die Teilnehmer erleben durften: Oldesloe mit einer auf weichere Klänge ausgelegten Orgel. In Eutin ein klarer, heller, kräftiger, strahlender Klang, für eine alte romanische Kirche mit mehr Hall. In Lübeck eine eher nüchternere Klangfarbe („In den 80er Jahren waren romantische Orgeln nicht ‚in‘ “) -> So unterschiedlich die Orgeln auch waren, jede Orgel war genau für den Raum und das Umfeld gebaut und angepasst worden.

„Unsere Grenzing-Orgel wird klanglich und konzeptionell eher in Richtung der Oldesloer Kirche gebaut, mit weicheren Klängen.“, erläuterte Herr Rasch. Dies erntete sofortigen Applaus im Bus – In einer spontanen Blitzumfrage hatte zuvor die Mehrheit der Teilnehmer die Oldesloer Orgel als am sympathischsten empfunden.

Pastor Schroeder hob in seinem Fazit der Orgelfahrt einen zusätzlichen Punkt hervor: „Heute haben wir alle unterschiedlichste Klangeindrücke sehr lebendig erlebt. Alle Orgeln gemeinsam haben uns den Horizont geöffnet, dass bei uns in Großhansdorf noch etwas viel Schöneres entstehen kann als wir bisher gewohnt sind.“

Geselliges Mittagessen, guter Kaffee, riesige Tortenstücke, ausreichend Zeit für das leibliche Wohl und Spaziergänge bei strahlendem Wetter in den Zeiten „zwischen den Orgeln“ machten die Orgelfahrt zu einem insgesamt hervorragend gelungenen Ausflugstag.

Als von einer Wiederholung einer solcher Orgelfahrt (zu weiteren Orgeln) gesprochen wurde, war aus den begeisterten Reaktionen der heutigen Teilnehmer sofort klar, dass dann wohl ein größerer Bus nötig sein würde. Das Team des Orgelvereins nahm dies gerne gewissermaßen als Auftrag zur Kenntnis.