Orgelaufbau in der Kirche – Ein Erlebnis!

Seit dem 20. August, der Ankunft des 1. LKW`s mit unserer neuen Orgel, gab es täglich Großartiges zu erleben. Was bei mir aus Interesse und Neugierde begann, entwickelte sich inzwischen zu einem täglichen Erlebnis mit Fortsetzung. Am ersten Tag konnte ein fehlender Gabelstapler herbeigeschafft werden, mit dem bei strahlender Sonne einen Tag lang die wertvollen Teile in ganz unterschiedlicher Größe zunächst auf den Kirchplatz entladen wurden. Diese mussten bis zum Abend in der Kirche eingelagert sein. Das gleichzeitig angereiste Grenzing-Team von 7 „Organeros“, wie wir die Orgel-Fachleute nennen, zeigte dabei vollen körperlichen Einsatz. Das Seitenschiff wurde komplett gefüllt und eine Vielzahl der Bankreihen ebenfalls belegt. Das schwerste Teil dabei war der Spieltisch.

CCI13092015Die Aufbauarbeiten standen für 1 ½ Wochen unter der sachkundigen Leitung von Natalie Grenzing und Jordi Andújar. Natalie spricht Deutsch, Konstrukteur Jordi neben Katalan auch verständlich Englisch und andere Sprachen.

Ein Team von Freiwilligen unterstützt mich dabei, die Organeros mit Kaffee, Obst und Kuchen zu versorgen. Selbst ein versehentlich vom Fahrrad gestürzter Käsekuchen wurde dankbar angenommen, seine Einzelteile wurden mit Löffeln und Gabeln in 2 Tagen verzehrt. Nur die Spenderin musste getröstet werden.

Den Orgelbauern wurde seit Anfang der Arbeiten unser Kirchenbus zur Verfügung gestellt, was die Beweglichkeit bei Arbeitszeiten zwischen 8 und 21 Uhr erhöhte.

P1220133P1220404Die großartige Teamarbeit der Truppe fiel mir von Anfang an auf, obwohl jeder Spezialist in seinem Bereich ist. Ohne laute Absprache unterstützt man sich gegenseitig, wenn Teile von unten auf die Empore gebracht und dort eingebaut wurden.

 

 

 

 

So waren z.B. bei den schweren Windladen alle 7 Personen gleichzeitig gefordert, ebenso bei dem mit Vorsicht vorzunehmenden Hochziehen der großen Pedalpfeifen mit einem Gewicht von rd. 100 Kilo.

P1220524 P1220493Den täglichen Fortschritt des Orgelaufbaus aus unmittelbarer Nähe erleben zu können, war für mich eine  einmalige Bereicherung. So etwas sieht man sicher nur einmal im Leben!  Angefangen beim Laser-genauen Verlegen des Grundgerüsts, auf dem die Orgel absolut plan stehen wird, über den Einbau der ersten Windladen und der mit weicher Rindshaut bespannten Windbälge bis zum Einrichten der Elektrik am Spieltisch – alles ist höchste Präzisionsarbeit gepaart mit großer körperlicher Anstrengung.

 

 

 

 

 

 

P1220543 Nach rd. 2 Wochen wechselte die Leitung vor Ort, Ulrich Frank, ein Schwabe, gelernter Orgelbauer und seit 15 Jahren bei Grenzing, löste Jordi ab, der sich einem Pariser Großprojekt widmen wird.

 

 

 

 

 

P1220427Angelines

Mit dem zweiten LKW, der vollbeladen mit Pfeifen war, kam auch Angelinez González, die „Hüterin der Pfeifen“ nach Großhansdorf.

 

 

 

 

 

 

 

 

P1210989a-JesusDie Arbeiten gingen täglich merklich voran. Carlos, der wegen seiner Frisur von mir nur Jesús genannt wurde, war für die Elektrik des Spieltisches ebenso zuständig wie für die Mechanik der sog. „Abstrakten“, 3-Millimeter dünne Züge aus dem Holz der Kanadischen Rotzeder, robust im Zug aber zerbrechlich bei Druck.

 

 

P1220039Tägliche Beratungen zwischen unserem Kantor Clemens Rasch und Ulrich Frank waren selbstverständlich.

 

 

 

 

 

Der Dank gilt nochmals allen Unterstützern dieses ehrgeizigen Projektes, wir alle werden noch viele schöne Erlebnisse erwarten können. Dank und Bewunderung gilt aber auch dem Grenzing-Team, das uns eindrücklich gezeigt hat, wie zutreffend der Begriff „Handwerkskunst“ ist. Auch hat sich deren fröhliche Grundstimmung auf uns alle übertragen.

Am 1. November wird unsere neue Orgel in einem Festgottesdienst geweiht, daran schließen sich die Großhansdorfer Orgelwochen an, die zukünftig jährlich stattfinden sollen.

 

Dirk P. Hermann