Orgelabnahme erfolgreich – Nun ist sie offiziell fertig!

Konsequentes-Abarbeiten-der-AbnahmeschritteAm Freitag und Samstag (30./31. Oktober) haben Orgelsachverständiger, KMD Hans-Martin Petersen und Kantor Clemens Rasch etliche Stunden lang die neue Orgel gespielt, gehört, getestet und alle möglichen und unmöglichen, häufige und selten genutzte Tasten und Funktionen der Orgel ausprobiert – um zu sehen und vor allem zu hören, ob die vom Orgelbauteam Grenzing fertiggestellte Orgel den hohen Ansprüchen der Beiden genügte, und dem Auftrag, den der Orgelbauer erhalten hat, entspricht.

Am Samstag um 11 Uhr waren dann Vertreter des Kirchengemeinderats zu KMD Petersen und Kantor Rasch gestoßen, um die formale Abnahmeprüfung durchzuführen. Gerhard Grenzing mit Frau Maria Teresa, sowie Sohn Daniel und Tochter Natalie Grenzing – die beide aktiv beim Orgelbau für Großhansdorf mitgewirkt hatten, waren aus Barcelona angereist.

Alles war zur Zufriedenheit der Experten gelöst. „Gerhard Grenzing und sein Team haben selbst einen sehr hohen handwerklichen und künstlerischen Anspruch, sowohl was die Technik angeht als auch den Klang,“ freute sich KMD Petersen. „Die Orgel hat die singenden, wunderbar charaktervollen Prinzipale, die die Handschrift der Firma Grenzing sind. “ Eine sehr gute Ausgewogenheit des Klangs zwischen Durchsichtigkeit und Obertönigkeit, die seiner Erfahrung nach Grenzing-Orgeln besonders auszeichnet, ist auch im Großhansdorfer Instrument gelungen. „Die Klangfarben sind gut getroffen und intoniert“

Gerhard, Nathalie und Daniel Grenzing nach der Abnahme

Gerhard, Nathalie und Daniel Grenzing nach der Abnahme

Während der Abnahme überprüfte er jedes Register vor dem Hintergrund der jeweiligen Rolle im beabsichtigten Klangspektrum der Orgel – Ob als „Soloinstrument“ oder „Basisfarbe“. „Die Register harmonieren sehr gut miteinander, jedes hat aber dennoch einen eigenen Charakter“. Er demonstrierte die charakterlichen Unterschiede am Beispiel der Gedeckten und der Flötenregister von Hauptwerk und Schwellwerk, sowie im Unterschied der „eher barocken“ Trompete im Hauptwerk zur eher französischen Romantik der „Trompette harmonique“ im Schwellwerk.  „Musik von Bach und Buxtehude verlangt nach anderen Klangcharakteristika als romantische Musik. Diese Orgel bietet beides, und auch gut und harmonisch kombinierbar.“

„Schon während der gesamten Bauzeit war es eine sehr konstruktive Zusammenarbeit“, so Petersen. Bereits in Barcelona gab es eine Werkstattabnahme. Während der Aufbauphase in Großhansdorf, besonders während der Intonationsphase und der Durchführung letzter Arbeiten an der Orgel, war der Sachverständige jede Woche „auf der Baustelle“, und es gab einen permanenten Austausch mit dem Orgelbauteam über Feinheiten, die Nicht-Fachleute nicht im Ansatz bemerken würden. Auch deshalb war am Schluss nach der „Vorabnahme“ am Freitag, zur offiziellen Abnahmeprüfung der Orgel am Samstag fast nichts mehr zu tun.

Gelöste-Stimmung-bei-der-AbnahmeprüfungDaniel Grenzing war bereits am Freitag anwesend, um etwaige noch angemerkte Kleinigkeiten sofort zu beheben. Und auch ein paar Sachen noch weiter zu verfeinern, die KMD Petersen bei der Abnahme am Samstag positiv überraschten: Grenzing hatte z.B. die Intensität des Tremulanten nochmals leicht modifiziert. „So ist es wunderbar!“ freute sich Petersen.

Auch hatte Daniel Grenzing die Zungenstimmen nochmals gestimmt. (Eigentlich dehnen sich durch die höheren Temperaturen in der Sonne eher die Lippenpfeifen aus und „verstimmen“ sich deshalb leicht nach unten, während die Zungenpfeifen die Tonhöhe halten. Doch Zungenpfeifen lassen sich einfacher stimmen und werden dem Rest der Pfeifen angeglichen. Dies kann üblicherweise der Organist machen, wird ein paar mal pro Jahr gemacht, meist vor Konzerten oder wichtigen Kirchenfesten. Und zur Orgelweihe sollte natürlich auch alles „stimmig“ sein). „Dass zur Orgelweihe ein paar Töne nachgestimmt werden, ist normal“, so beugte Petersen bei den Anwesenden etwaigen Fehlinterpretationen vor.  Auch dass die Orgelbauer die Einstellungen des elektrisch operierenden Schwellpedals bei ihrem nächsten Besuch des Technikers ein wenig modifizieren werden, stehe einer Abnahme nicht im Wege. Ebenso werde sich die Mechanik der Orgel erwartungsgemäß im ersten Jahr noch minimal „zurechtruckeln“, und Grenzing werde dann die feine, hervorragende und sehr sensibel reagierende Tastentraktur wieder auf das auch heute bei der Abnahme vorhandene Niveau justieren, sollte sich bis zum regulären Wartungsbesuch etwas geändert haben.

Gerhard Grenzing überprüfte selbst vor der Abnahme nochmals, dass alle Tasten die von ihm gewünschte gleichmäßige Leichtigkeit und sensible Ansprache hatten

Gerhard Grenzing überprüfte persönlich vor der Abnahme nochmals, dass alle Tasten die von ihm gewünschte gleichmäßige Leichtigkeit und sensible Ansprache hatten

Am Schluss lies Petersen die Orgel nochmals mit voller Kraft und mit schnellen Kraftwechseln spielen, um die Windversorgung möglichst an ihre Grenzen zu bringen – doch dies gelang nicht. „Hier geht nichts in die Knie, es ist auch für extremes Spiel immer genügend Kraft vorhanden“, so das – nicht unerwartete – erfreuliche Resultat.

„Die Traktur läuft ausgezeichnet, es ist ein wunderbarer Anschlag. Die Orgel ist in allen Werken äußerst gelungen. Und der Spieltisch fügt sich auch ästhetisch in das alte Gehäuse ein“., – aus Petersens Mund waren viele positive Worte zu hören. „Man kann der Gemeinde zu diesem hervorragendem Instrument gratulieren. Es ist so wie gewünscht und besprochen, und eher noch mehr als das. Ein sowohl technisch als auch klanglich überzeugendes Werk.“

„Uneingeschränkte Abnahme“ lautete am Schluss das Urteil und damit die Empfehlung vom Orgelsachverständigen Petersen an den Kirchengemeinderat, der am kommenden Montag per offiziellem Beschluss die formale Abnahme bestätigen wird.

Pastor Christoph Schroeder dankte Herrn Petersen für seine fachkundige Begleitung der Gemeinde bei diesem Projekt, und Herrn (und Familie) Grenzing für das schöne Instrument.

Bei Gerhard Grenzing mischte sich Freude und Stolz über das neue gelungene Instrument mit ein wenig Wehmut, dass er dieses Werk, an dem er im vergangenen Jahr so intensiv gearbeitet hatte, nun seltener sehen wird – voraussichtlich nur einmal pro Jahr im Rahmen der normalen Wartung. „Hier in Großhansdorf habe ich eine solche Begeisterung für dieses Instrument erlebt, dass ich diese Orgel gerne in die Hände der Gemeinde gebe“, so seine Stimmung nach der Abnahme. „Es war eine so positive gesunde Energie in der Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen aus Großhansdorf (bzw. Lübeck) zu spüren, die durch gegenseitiges Vertrauen belohnt und geprägt war und ist“.

Clemens Rasch merkte noch an, dass diese Begeisterung der Gemeindemitglieder und weiteren Förderern und Orgelfreunden während des Orgelbaus selbst noch spürbar zugewonnen hat.

Nun musste sich Clemens Rasch schnell noch auf die neue Orgel mit der  sensiblen Tastatur einstellen – schließlich war nur noch eine Nacht zur Vorbereitung auf die Orgelweihe zum Üben da….  „Die sensible Tastatur ist für einen Organisten toll, aber gleichzeitig anspruchsvoll zu spielen. Auf die Orgel kann ich es nun nicht mehr schieben, wenn ich mich mal verspiele und Missklänge produziere,“ fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu.