Orgel nach Maß

Anfang August wurde die Orgelempore zur Arbeitsbühne für die Orgelbauer. Aloys Dietrich, ein Mitarbeiter des Orgelbauers Gerhard Grenzing und selbst ausgebildeter Orgelbaumeister, nahm Maß und maß nach. Die gesamte Empore sowie die bestehende Orgel wurden vermessen: Breiten, Höhen, Hindernisse, tragende Balken, die Krümmung der Emporenbrüstung, Pfeifenstockmaße, Abstände der Prospektpfeifen – nichts wurde ausgelassen.

„Ich gebe alle Maße gleich vor Ort in der Kirche in den Computer ein und zeichne ein digitales Bild der Empore und der Orgel.“ Akkurate Maßarbeit von Anfang an ist selbstverständlich. „Nichts wäre ungünstiger als wenn hinterher etwas nicht passt, oder wenn man während des Orgelbaus feststellt, dass irgendein Maß fehlt.“ so Herr Dietrich. „Da bleibe ich lieber einen Tag länger hier vor Ort und gebe alles bereits in der Kirche in das Planungsprogramm ein.“ Und damit alles millimetergenau passt. „Um eine leichtgängige Traktur einbauen zu können, ist millimetergenaue Planung unabdingbar“, so Aloys Dietrich. Leichtgängigkeit auch bei großen Werken selbst ohne elektronische Hilfsmittel ist eines der Markenzeichen von Grenzing-Orgeln. Insgesamt hat das genaue Vermessen fast eine Woche in Anspruch genommen.

Der Prospekt – d.h. die Ansicht der Orgel nach vorne in den Kirchenraum hinein – soll auch in der neuen Orgel erhalten bleiben. „Es kommt sozusagen eine komplett neue Orgel in das bestehende Gehäuse.“ Wo genau und wie das Gehäuse mit der jetzigen Orgel konstruktiv verbunden ist oder getrennt werden kann, war eins der Themen, die ebenfalls nochmals genauer überprüft wurden.

 

 

 

 

 

Am Samstag, den 3. August, machte sich Orgelbauer Gerhard Grenzing persönlich ein Bild der Arbeiten und besprach mit seinem Mitarbeiter erste Ergebnisse und Schlussfolgerungen.

„Die neue Orgel bekommt ein zusätzliches Manual und hat mehr Register als derzeit vorhanden sind. Ein Ziel der Aufmessarbeiten ist deshalb, die Platzverhältnisse genau zu erkunden“. Platzprobleme seien jedoch nicht zu erwarten, war die einhellige Meinung der Beteiligten nach gemeinsamer Besichtigung.

Zusammen mit Clemens Rasch erörterten die Orgelbauer erste konkrete Überlegungen, z.B. zur möglichen Platzgestaltung des Spieltischs für den Organisten (der ja zukünftig drei statt zwei Manuale besitzt), Platzausnutzung innerhalb der Orgel und die Verbindung zum Solowerk in der Brüstung, die notwendige Abschirmung des Pedalwerks zur Außenwand, oder erste Überlegungen zur Ausgestaltung des Gehäuses für das neue Schwellwerk.

Gerhard Grenzing’s Tochter Natalie begleitete ihren Vater bei seinem Besuch. Sie arbeitet ebenfalls im väterlichen Orgelbaubetrieb, unter anderem organisiert sie die Logistik für die Orgelbauteams. So interessierten sie nicht nur die Kirchenakustik und die Orgel selbst, sondern auch vermeintlich unwichtige Details wie z.B. die Abmessungen der Kirchentüren. „Durch die Kirchenfenster werden wir die Orgel in Großhansdorf nicht auf die Empore schaffen müssen“. Ihre Gedanken kreisten entsprechend bereits jetzt um die praktischen Probleme für den Orgelabbau und -aufbau ebenso wie um die Unterbringung des Teams während der Aufbau- und Intonationsphase. „Ein so kompliziertes Gerüst wie wir derzeit in Maulbronn nutzen, wird wohl nicht benötigt werden.“ (Derzeit wird in der Klosterkirche Maulbronn in der Nähe von Stuttgart eine Grenzing-Orgel aufgebaut)

Gerhard Grenzing war zufrieden mit den Ergebnissen und Erkenntnissen der bisherigen Arbeiten. Anschließend nutzten Vater und Tochter den Aufenthalt in Großhansdorf, um Ihre Verwandten hier in Hamburg zu besuchen – Schließlich ist Gerhard Grenzing hier aufgewachsen.

 

Bei seinem Besuch wurde der Raum für die Orgel nicht nur mit dem Maßband und dem Lasergerät vermessen – Gerhard Grenzing war auch gekommen, um sich nochmals in die Akustik der Kirche einzuhören. Dies beeinflusst die sogenannte Intonation der Orgel – Was das ist, wie es funktioniert und was es bewirkt? Davon demnächst mehr in einem weiteren Artikel auf dieser Internetseite..