Warum brauchen wir eine neue Orgel?

Unsere Orgel wurde 1965 gebaut und ist damit eigentlich noch nicht so alt – jedenfalls gemessen an Orgeln, die doch üblicherweise Jahrhunderte überdauern, oder nicht? Aber sie ist in vielen technischen Aspekten reparatur- und überholungsbedürftig. In der Nachkriegszeit und danach hat sich die Orgelbaufirma am „Versorgungsorgelbau“ beteiligt und sich damit von den Maßstäben des kunsthandwerklichen Orgelbaus verabschiedet. Sie stellte Instrumente in Billigbauweise her mit überwiegend nicht wertbeständigen Materialien bei wenig solider Verarbeitung.

Die Mängelliste ist lang..

Einige der Mängel:

  • Windladen aus Spanplatte, mangelhaft gefertigt und daher teilweise undicht. Lassen sich nur notdürftig reparieren
  • Windprobleme auch wegen falsch dimensionierten Kanzellen
  • Die Windprobleme führen zu unstabilen Winddrücken mit hörbaren Schwankungen
  • Doppelschleifen aus Perinax mit teilweise undichten Teleskophülsen
  • Schlechte, zähe Spieltraktur mit kaum spürbarem Druckpunkt. Starke Trakturgeräusche. Spiel mit Manualkoppel extrem schwer.
  • Die Intonation ist unausgewogen und in den hohen Lagen zu scharf. Die Klangverschmelzung zwischen den einzelnen Registern  ist unzureichend
  • Die Tonhöhe ist zu tief, besonders beim Zusammenspiel mit anderen Instrumenten
  • Pedalturm ohne Rückwandgehäuse läßt Pfeifen schnell ungleich verstimmen.

„Diese Orgel ist nicht erhaltenswert und nicht reparaturwürdig“

Aus dem Gutachten des Orgelsachverständigen der Nordelbischen Kirche, Herrn KMD Hans-Martin Petersen:  „Die Liste der Defizite ist so umfangreich, dass sich der Austausch einzelner Teile oder ganzer Bereiche nicht lohnt.“ Neben den rein technischen Mängeln ist die klangliche Grundsubstanz sowie das Klangkonzept ebenso mangelhaft und unausgewogen. „Klangliche Verbesserungen durch Austausch einzelner Register sind bei der schlechten technischen Anlage wenig ergiebig und das Pfeifenwerk ist auch nicht so gut, dass es sinnvoll wäre, dafür die Windladen und die technische Anlage auszutauschen. “ „Solide gebaute Orgeln aus dieser Epoche sind erhaltenswert, wenn sie schlüssige Klangkonzepte aufweisen. Technische Mängel lassen sich beheben, wenn die Grundsubstanz gut ist. Die Orgel in der Auferstehungskirche zählt zu den nicht erhaltenswerten Orgeln.“

 

Wir können die schmerzlichen Erfahrungen anderer Gemeinden vermeiden

Kantor Clemens Rasch hatte bereits Anfang seiner Tätigkeit für die Gemeinde Reparaturnotwendigkeiten festgestellt. Von einer Generalüberholung wurde aber damals abgesehen, da andere Projekte, z.B. die Stabilisierung des Kirchturms, Vorrang hatten. „Heute können wir von Glück sagen, dass wir damals keine Generalüberholung durchgeführt haben“ so Rasch. “ So konnten wir aus den Fehlern bei Nachbargemeinden lernen, die ähnliche Probleme hatten wie bei unserer Orgel und diese reparariert haben. Heute sehen diese, dass die Reparaturen nicht viel genützt und nur die Gesamterneuerung etwas hinausgezögert haben. Inzwischen sind alle renommierten Orgelbauer wieder zurückgekehrt zur soliden Orgelbaukunst – und zu Materialien, wie sie schon seit Jahrhunderten im Orgelbau verwendet werden und auch Jahrhunderte überdauern.“

 

Nur ein Teil der Mängel ist sichtbar – dafür aber umso besser

Die Fotos veranschaulichen einige der sichtbaren Mängel. Dass der Orgel aufgrund der Windstößigkeit manchmal „die Luft ausgeht“, sieht man ihr nicht an, man hört es nur.

 

Herstellung aus billigsten Materialien wie Sperrholz, Spanplatte, Ständerwerk aus Locheisen, schlechte Verarbeitung, keine Abschottung zur im Winter kalten Außenmauer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fehleranfällige Kunststofflager; Tranktur unter Verwendung von damals neuen Materialien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kunststoffwinkel mit begrenzter Haltbarkeit; Aluminiumdrähte anstelle von Holzabstrakten (Aluminium ist großen Temperaturschwankungen ausgesetzt); Wellenbretter notdürftig mit provisorischen Filztrennern gegen Klappern.

 

 

 

 

Tastenbeläge aus minderwertigem Kunststoff; Klaviaturen ausgespielt, Filzlager in Auflösung

 

Windladen aus Spanplatte mangelhaft gefertigt; Lederpulpeten größtenteils undicht.