„Das Ohr ist hingerissen und wir genießen“ – Grußwort von Bischöfin Kirsten Fehrs zur Orgelweihe

Foto Kirsten Fehrs (c) Marcelo Hernandez Nordkirche 900x600Man nennt die Orgel seit alters her auch die „Königin der Instrumente“, und dieser Titel trifft es in mehrfacher Hinsicht: Majestätisch ist ihr Klang, weit reicht die Macht ihrer Töne. Sie überwältigt diejenigen, die ihr zuhören. Dazu fordert sie den ganzen Einsatz des Organisten – mit Händen und Füßen, Kopf und Herz.

Gelegentlich können Majestät aber auch ziemlich launisch werden: „Es gibt kein Instrument, das am Unreinen und Unsauberen im Tonsatz wie im Spiel alsogleich Rache nähme als die Orgel“, seufzte schon der Komponist Robert Schumann. Und schließlich: Diese Königin lebt auf großem Fuße, und wer sie beherbergt, der muss tief in die Tasche greifen.

All das weiß die Großhansdorfer Auferstehungsgemeinde, und sie hat sich nicht abschrecken lassen, sondern kann sich nach jahrelanger Mühe und Arbeit freuen: Der Thron ist nicht länger verwaist. Die Orgel ist wiedererstanden. Und das hat sich gelohnt.

Was von vorne aussieht, als hätte es sich gar nicht verändert, ist im Innern mit modernster Technik gefüllt. Denn das ist das Schöne: Traditionelle Handwerkskunst lässt sich nicht ersetzen, aber immer noch verbessern, gerade im Digitalzeitalter. Motto: Traktur trifft Touchscreen.

Das Ohr ist hingerissen, und wir lehnen uns zurück und genießen. Die neue Orgel wird das Engagement der Freunde der Kirchenmusik in Großhansdorf belohnen und die Möglichkeiten im Gottesdienst hörbar erweitern.

Denn dazu ist diese Orgel gebaut, genauso wie die Kirche und die Gemeinde, die all das belebt: Zum Lobe und zur Ehre Gottes. Viele haben daran mitgewirkt – Dank sei allen Spenderinnen und Spendern, die diesen Neubau möglich gemacht haben!

Und so wünsche ich, dass diese Orgel noch lange erklingen und den Menschen in Großhansdorf schöne Klänge, Gefühle und geistliche Erlebnisse schenken möge.

Kirsten Fehrs

Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck
1. November 2015